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Vor fast zwei Jahrhunderten, 1815, begann in Jena die Geschichte der Burschenschaft als revolutionäre Bewegung für die Freiheit und Einheit der deutschen Nation, gegen feudale Kleinstaaterei, für Meinungsfreiheit und Mitbestimmung des Bürgers in der Politik.
Im Jahre 1817 wurde basierend auf diesen Idealen der Jenaer Urburschenschaft auch im schlesischen Breslau die Burschenschaft, die sich später den Beinamen 'Raczeks' gab, ins Leben gerufen.
Burschenschaften sind Verbindungen, deren Gemeinschaft lebenslang andauert und geprägt ist von dem Miteinander junger Studenten und "Alter Herren". Als "Alte Herren" werden diejenigen Mitglieder der Burschenschaften bezeichnet, die nach Abschluß ihres Studiums im Berufsleben stehen.
Die Begriffe unseres Wahlspruches seien hier kurz erläutert:
Wir Deutsche fürchten Gott und sonst nichts auf der Welt;
und diese Gottesfurcht ist es schon, die uns den Frieden lieben und pflegen läßt.
Otto v. Bismarck
Nichtswürdig ist die Nation, die nicht Alles freudig setzt an ihre Ehre.
Friedrich v. Schiller
Ehre ist die Treue zur eigenen Persönlichkeit, die bestimmt ist
durch eigene gefestigte sittliche Wertmaßstäbe und wo aus diesen
heraus offen und ehrlich gehandelt wird - notfalls unter persönlichen
Opfern. Ehre ist grundsätzlich auf die handelnde Person bezogen.
Ob die Umwelt einem ehrenhaft handelnden Menschen die angemessene Achtung
entgegenbringt ist unsicher und zweitrangig. Die aus ehrenhaftem Handeln
resultierende Selbstachtung gebietet nicht nur die Abwehr ehrverletzender
Angriffe auf die eigene Person. Die Ehre und Würde anderer ebenso
zu achten und zu verteidigen wie die eigene, ist für den Burschenschafter
Ehrenpflicht.
Zu sagen hier herrscht Freiheit, ist immer ein Irrtum oder eine Lüge:
Freiheit herrscht nicht
Erich Fried
Freiheit ist die unbegrenzte Möglichkeit, das Verhalten ausschließlich
vom eigenen, unbeeinflußten Willen leiten zu lassen, ohne äußerem
Zwang nachgeben zu müssen.
Diese Freiheit soll über den Wolken grenzenlos sein - Burschenschafter
betreiben allerdings keine Wolkenschieberei. Sie treten für die größtmögliche
Verwirklichung der Freiheit des einzelnen in der Gemeinschaft und durch
die Gemeinschaft ein. Der Staat muß vom Miteinander der Bürger
leben, die den Staat als demokratische Gemeinschaftsaufgabe einer Nation
betrachten, in welcher jeder seinen angemessenen Platz und Freiraum hat.
Die Freiheit des gemeinsamen Staatswesens ist als Schutz und Rahmen der
Freiheit des einzelnen zu begreifen.
Die Freiheit nach innen und nach außen zu bewahren, ist eine der
wesentlichen politischen Aufgaben, die sich die Burschenschaft gestellt
hat. Persönliche und nationale Freiheit können nicht ohne die
Freiheit des Geistes sowie die Unabhängigkeit und Selbständigkeit
des Denkens erreicht und dauerhaft bewahrt werden. Freiheit ist nie endgültig.
Der Verlust kommt nicht selten auf leisen Sohlen durch schleichende Bewußtseinsänderung.
Freiheit ist nicht bedingungslose Beliebigkeit des Tuns, sondern Pflichterfüllung
am Gemeinwesen in freier Verantwortung.
Achte jedes Mannes Vaterland, aber das deinige liebe.
Gottfried Keller
Vaterland ist im engeren Sinne das Land der Väter, die angestammte
Heimat der Vorfahren, die zu bewahren und bei Gefahr zu verteidigen nicht
nur moralische Pflicht, sondern auch das vitale Interesse der lebenden
Generation ist. Das gilt für alle Völker, solange sie sich nicht
selbst aufgeben.
Im weiteren Sinne ist das Vaterland die politische Heimat des auf diesem
Boden lebenden Volkes, welches durch Abstammung, Sprache und kulturelle
Identität auch im Rahmen eines größeren Kulturkreises besondere
Gemeinsamkeiten aufweist.
Nur wer sein eigenes Volk liebt, kann andere Völker achten. Ein Mensch
ohne Bindung an sein Volk, seine Herkunft und Heimat ist wie ein Baum ohne
Wurzeln. Seine Spur wird verwehen.
Für die Deutsche Burschenschaft gilt: Unser Vaterland ist die angestammte
kulturelle und geistige Heimat aller Deutschen unabhängig von staatlichen
Grenzen. Das Vaterland und seine kulturelle Identität auf der Basis
des Selbstbestimmungsrechtes der Völker zu bewahren, lebendig zu erhalten
und beschützen, ist Pflicht jedes Deutschen.
Quelle: Burschenschaftliche Blätter, Heft 3, 1996, 172
Die Begriffe "Ehre", "Freiheit" und
"Vaterland" finden sich auch im Zirkel unserer
Burschenschaft wieder:

Das Ausrufezeichen hinter dem "Zirkel" erklärt sich wie
folgt:
In den Anfangszeiten der Burschenschaft war vielfach der lateinische Wahlspruch
üblich: "Vivat circulus fratrum!" (dt. "Der Kreis der
Brüder möge leben!") Das Ausrufungszeichen wurde beibehalten,
auch als der Wahlspruch nicht mehr als lateinischer Wunschsatz formuliert
war. Ebenso blieb für das Zeichen mit den Initialen der drei Wörter
des neuen Wahlspruchs die Bezeichnung "Zirkel" üblich, obwohl
dieses Zeichen nichts mehr mit einem "Kreis" zu tun hat, sondern
in ihr nur das lateinische circulus des längst vergessenen früheren
Wahlspruches fortlebt.