Schlesische Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau 1811-1945

Oderpartie der Breslauer Uni

Eröffnung - Forscher und Lehrer - Nobelpreisträger

Feierliche Eröffnung am 19. Oktober 1811

"Der Staat muß durch geistige Kräfte ersetzen, was er an physischen verloren hat."
Friedrich Wilhelm III., August 1807.

Aula Leopoldina

Die Anfänge der Breslauer Universität fallen in die preußische Reformzeit des beginnenden 19. Jahrhunderts. Am 19. Oktober 1811 wurde sie, vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. reorganisiert und zu einer Vollanstalt ausgebaut, in einem glanzvollen Festakt in der barocken Aula Leopoldina (Bild) feierlich eröffnet. Sie entstand durch Zusammenlegung zweier älterer Universitäten, die beide mit Schwierigkeiten zu ringen hatten: der in Breslau schon befindlichen katholische Leopoldina (Jesuiten-Universität, 1709 durch Kaiser Leopold I. gegründet) und der protestantischen Viadrina in Frankfurt an der Oder (1506 gegründet), welche zuvor nach Breslau verlegt worden war. Dabei gestaltete man die neue Lehranstalt im Sinne der idealistischen, der Forschung unbedingten Vorrang einräumenden Universitätskonzeption Wilhelm von Humboldts, ebenso wie es bei der Hochschule in Berlin 1810 geschehen war.

Die Oderuniversität in der Hauptstadt Schlesiens trug zunächst den Namen Breslauer Viadrina, dann Universität Breslau und wurde erst zur -> 100 Jahrfeier nach ihrem Neugründer in Schlesische Friedrich-Wilhelms-Universität umbenannt.

Schlesien erhielt damit eine moderne, leistungsfähige Landesuniversität, die in den 135 Jahren ihres Bestehens ein reiches wissenschaftliches Leben entfaltete und nicht nur in den schlesischen, sondern den gesamten ostdeutschen Raum und seine Nachbarschaft hinein ausstrahlte.

Breslau: Wirkungsort bedeutender Forscher und Lehrer 

Schon bald nach seiner Gründung spielte Breslau auf verschiedenen Bereichen der Medizin eine führende Rolle. Das erste physiologische Institut Deutschlands wurde hier 1836 nach zähem Bemühen von Johannes Purkinje eingerichtet. Die Breslauer medizinischen Schulen, wie sie der Chirurg Mikulicz von Radecki, der Dermatologe Neisser und der Ophthalmologe Uhthoff gründeten, zogen Lernbegierige aus allen Ländern an. Und noch bis in die Gegenwart wirkt Otfried Forsters gehirnchirurgische Methode in Amerika nach. Adolf Czerny vertiefte die Kinderheilkunde zu einem selbständigen Fach und der Name Robert Bunsen verknüpfte sich mit dem traditionsreichen Institut der Chemie.

In Breslau forschten und lehrten, um nur ein paar bekannte Einzelnamen zu nennen: der katholische Theologe Anton Dereser und sein protestantischer Kollege Johann Christian Augusti, der Jurist und Historiker Theodor Mommsen, der hier seine säkulare "Römische Geschichte" schrieb, der Verfasser des "Deutschen Genossenschaftsrechtes" Otto von Giercke, der Rechtshistoriker und Schriftsteller Felix Dahn, der Philosoph Wilhelm Dilthey, die Nationalökonomen Lujo Brentano, Werner Sombart und Adolf Weber, die Botaniker Rober Heinrich Göppert und Ferdinand Cohn, der Mineraloge Karl von Raumer und der Soziologe Eugen Rosenstock-Huessy.

Akademische Lehrer an der Universität Breslau waren der Dichter des Deutschlandliedes, der Germanist August Heinrich Hoffmann von Fallesleben und der aus dem oberschlesischen Kreuzburg stammende Schriftsteller Gustav Freytag. Der Niederschlesier Gerhart Hauptmann erhielt 1942 die Breslauer Ehrendoktorwürde. Johannes Brahms widmete als Dank für seine Ehrenpromotion seine "Akademische Festovertüre", die studentische Liedmotive ("Ich hab' mich ergeben" und "Gaudeamus igitur") verarbeitet. Diese wurde in der stimmungsvollen Aula Leopoldina uraufgeführt. Neben Brahms musizierten hier vor einem begeisteren studentischen Publikum u.a. Karl Maria von Weber, Niccolo Paganini und Franz Liszt.

Nobelpreisträger aus Schlesien 

Das von seiner Landesuniversität wissenschaftlich maßgeblich geprägte Schlesien kann die beachtliche Zahl von zwölf -> Nobelpreisträgern vorweisen, die aus dem Land hervorgegangen sind und von denen die meisten in ihrem Lebens- und Berufsweg mehr oder weniger intensiv mit der Universität Breslau in Verbindung getreten sind:

Nobelpreis
Paul Ehrlich (Strehlen) Medizin 1908
Gerhart Hauptmann (Bad Salzbrunn) Literatur 1912
Fritz Haber (Breslau) Chemie 1918
Friedrich Bergius (Breslau) Chemie 1931
Otto Stern (Sohrau) Physik 1943
Kurt Adler (Königshütte) Chemie 1950
Max Born (Breslau) Physik 1954
Maria Goeppert-Mayer (Kattowitz) Physik 1963
Konrad Bloch (Neisse) Medizin 1964
Hans Georg Dehmelt (Görlitz) Physik 1989
Reinhard Selten (Breslau) Ökonomie 1994
Günter Blobel (Sprottau) Medizin 1999

Quellen: H.-J. Kempe, 150 Jahre Breslauer Burschenschaft, Verlegt durch BABB e.V, Bonn, Heinrich Pöppinghaus Verlag, Bochum, 1967, 19-22; J.J. Menzel, Burschenschaftliche Blätter, Heft 2, 1995, 81-84