
Couleurpostkarte der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks
von 1911
Eine Originalkarte hängt heute im Mathematischen Turm der
Uni Breslau.

Die Krönung der Breslauer Universitätsgeschichte stellt zweifellos die Feier zum 100 jährigen Bestehen vom 1. bis 3. August 1911 dar. Beim abendlichen Fackelzug rief Rektor Prof. Dr. Hillebrandt den Studenten zu: "Vor den Toren unserer Universität steht, von Meisterhand gefertigt, ein Jüngling ruhig und sicher, mit seiner Rechten prüft er die Klinge zu späterem Kampf, ein wundervolles Sinnbild der Vorbereitung zum Streit des Lebens ... Wenn dann in diesen Kämpfen der Geist echten Burschentums Ihnen voranleuchtet, wenn Sie nicht müde werden, hochzuhalten, was Ihnen an Idealen Ihr Herz bewegt, dann werden die Fackeln Ihres Lebens belebend und erwärmend für die Nation strahlen auch in dunkler Nacht. Wir können der Zukunft sicher sein, wenn deutscher Burschensinn und Burschengeist über dem Volke die Leuchte treuer Gesinnung trägt".
Den Höhepunkt der Feierlichkeiten bildete der Festakt in der "Aula Leopoldina". Aus der denkwürdigen Rede des Rektors ist hervorzuheben: "An der langgestreckten Küste unseres Volkstums bildet im Osten unsere Universität den letzten Leuchtturm deutschen Geistes, der den Nachbarn hinüberwinkt und sie zum Austausch geistiger Güter lädt. Möge der Geist der Wissenschaft, der der Geist der Wahrheit ist, nimmer von dieser Stätte weichen; möge die Freude, dafür die Jugend zu erwärmen, nie in den Herzen derer ersterben, die an dieser Stätte stehen".
Danach überbrachte der Kronprinz die Kabinettsorder Seiner Majestät
des Kaisers und Königs, in der es heißt: "In der alten
Piastenstadt, ... die an Glanz und Bürgerstolz mit dem goldenen Prag
wetteiferte, in der alten Hansestadt Breslau, in der
Hauptstadt des schönen
Schlesierlandes, ist nach dem Willen ... des Königs Friedrich Wilhelm
III. die neue Universität ein Brennpunkt geworden regen geistigen
Lebens und steigender wissenschftlicher Kultur. Die ernste strenge Arbeit,
die hier geleistet wurde, hat ihre Frucht getragen. Nicht nur der Universität,
die bald in die Reihe der ersten Hochschulen Europas eintrat, dem preußischen
Vaterlande und dem ganzen Deutschen Reiche ward sie zum Segen.
Drei Universitäten verdanken ihre Entstehung der hochherzigen Entschließung König Friedrich Wilhelm III., zwei davon, Bonn und Berlin, tragen seinen Namen. Damit das Andenken an ihren Stifter auch bei der Breslauer Universität späteren Generationen stets lebendig bleibe, will Ich ihr hiermit gleichfalls Seinen Namen verleihen.
So soll denn Mein königlicher Dank und Glückwunsch ins zweite Jahrhundert geleiten die SCHLESISCHE FRIEDRICH-WILHELMS-UNIVERSITÄT. Unter diesem Ehrennamen bleibe sie, was sie war, zur eigenen Ehre, dem Vaterlande zum Ruhm, der Menschheit zum Fortschritt".
Quellen: H.-J. Kempe, Burschenschaftliche Blätter, Heft 2, 1995, 90