Wappen der DB

Geschichte der DB

1815 1848 1871 1933 1945 1971


Die Burschenschaft taucht an den deutschen Universitäten unmittelbar nach den Freiheitskriegen gegen Napoleon in den Jahren 1813 bis 1815 als eine neue Erscheinung auf: sie ist in bewußter Abweichung von den Traditionen der bestehenden Landsmannschaften die Trägerin neuer Ideen und Grundsätze; sie will das studentische Leben auf eine neue Basis stellen und vollkommen umgestalten, indem den alten verrotteten Zuständen des Pennalismus, verbunden mit roher Rauflust und materielle Genußsucht sowie andere Unsitten, wie sie von den Landsmannschaften gepflegt wurden, ein Ende bereitet werden sollte. Die alte Deutsche Burschenschaft ist das Ergebnis eines langen Entwicklungsvorganges: sie ist eine "landsmannschaftliche Evolution".
Zwei Tendenzen waren für die Bildung der alten Burschenschaft wirksam: das Bedürfnis nach einer Reform des studentischen Lebens und der Drang nach Beseitigung der bisherigen landsmannschaftlichen Zersplitterung, nach Schaffung eines einheitlichen Verbandes, der alle Kommilitonen einer und der selben Hochschule zu einem Ganzen zusammenfassen sollte; ja sogar noch darüber hinaus sämtlicher Universitäten des gesamten deutschen Vaterlandes.

Fahne der Urburschenschaft12. Juni 1815 
Gründung der Jenaischen Burschenschaft, der sog. "Urburschenschaft". Sie war der Zusammenschluß Jenaer Studenten, deren Ziele die nationale Einheit aller Deutschen (nach den Beschlüssen des Wiener Kongresses vom Sommer 1815 war Deutschlands in 38 Teilstaaten zerstückelt worden) und die Befreiung von obrigkeitsstaatlichem Regiment waren.

18. Oktober 1817 Wartburg in Eisenach
Wartburgfest, die Jenaische Burschenschaft lädt alle deutschen Studenten auf die Wartburg bei Eisenach ein. Anlaß war das 300. Jahr seit der Reformation und der 4. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig. Bekräftigung der burschenschaftlichen Forderungen auf Freiheit und Einigung Deutschlands.

29. März - 3. April 1818
Erster Burschentag zu Jena, Annahme der 19 Punkte als Grundlage einer künftigen Verfassung.

10. - 18. Oktober 1818
Zweiter Jenaischer Burschentag, Gründung der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft.

Hinrichtung von Sand 23. März 1819
Die aus der Enttäuschung über die nicht erfolgte deutsche Einigung entstandene Radikalisierung eines Teils der Burschenschaft gipfelt in der Ermordung des Schriftstellers Kotzebue durch den Burschenschafter Karl Ludwig Sand. Dieser wurde gefaßt und zum Tode verurteilt. Kotzebue galt als Spion des Zaren. Er warnte in einer Denkschrift vor den Universitäten als "Brutstätten der Revolution". Der Mord ist Anlaß zu den "Karlsbader Beschlüssen" vom August 1819, die u.a. die Aufösung der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft bestimmt.

1825
Herausbildung der Gegensätze zwischen "arminischen" und "germanischen" Prinzipien, die zur Aufspaltung der Burschenschaft führen. Die Germanen sind waffenfreudig und bereit zu politischer Aktion. Sie bleiben radikal und lehnen den Fürstenstaat des Deutschen Bundes ab. Nationale und soziale Forderungen stehen gleichberechtigt. Die Arminen besitzen zwar noch Nationalbewußtsein, aber sie halten den politischen und sozialen Anspruch nicht mehr aufrecht und versuchen, sich mit den Fürsten zu arrangieren. Hambacher Fest

September 1827 
Wiedererrichtung der Allgemeine Deutsche Burschenschaft auf dem Burschentag zu Bamberg. Die Germanen setzen sich durch und schließen die arminisch gerichteten Burschenschaften aus.

27. Mai 1832
Hambacher Volksfest, bei dem die burschenschaftliche Fahne ihre Weihe als deutsche Volks- und Freiheitsfahne erhält.
 
 
 
Chargen beim Festkommers zum 175. Jahrestages des Hambacher Festes

175 Jahre Hambacher Fest

Im Jahr 2007 gedenkt die Deutsche Burschenschaft des 175. Jahrestages des Hambacher Festes, welches vom 27. bis 30. Mai 1832 in der Pfalz auf dem Hambacher Schloß bei Neustadt an der Haardt (heute a.d. Weinstraße) stattfand.
 
Die Forderung der Burschenschaft nach Einheit, Freiheit und Demokratie gilt als Höhepunkt frühliberaler bürgerlicher Opposition in Restauration und Vormärz und hat auch heute zentralen Stellenwert innerhalb der Deutschen Burschenschaft.

Quelle: Seite der Deutschen Burschenschaft

Foto: Chargen beim Festkommers in der Jugenstilhalle Landau

Frankfurter Wachensturm3. April 1833
Frankfurter Wachensturm unter Beteiligung von etwa 40 Burschenschaften. Nach seinem Mißlingen zahlreiche Hochverratsprozesse, die namentlich in Preußen zur Verhängung von außerordentlich schweren Freiheitsstrafen führen. Unterdrückung jedes studentischen Verbindungswesen durch die Frankfurter Bundeszentralbehörde.

Februar 1848 
Pariser Revolution mit starker Wirkung auf Deutschland und das dortige studentische Leben.

18. Mai 1848Paulskirche
Zusammentritt der deutschen Nationalversammlung in Frankfurt, der zahlreiche Burschenschafter als Mitglieder und Führer der verschiedenen Parteien angehören. Anerkennung der burschenschaftlichen Farben "-> Schwarz-Rot-Gold" als Farben des deutschen Volkes.

Pfingsten 1848
2. Wartburgfest, stark besucht von Vertretern der progressistischen und konservativ-studentischen Richtung. Im Anlehnung an die Urburschenschaft Forderung nach Schaffung einer deutschen Gesamtstudentenschaft. Infolge Wegfalls des Vereinsverbotes wird 1848 und in den folgenden Jahren eine Anzahl von Burschenschaften im späteren Deutschen Reich und Österreich begründet.

1859
Als Folge des österreichisch-italienischen Krieges erstarkt die deutsche Einheitsbewegung. Gründung des Nationalvereins unter führender Beteiligung der alten Burschenschafter v. Rochau und Nagel. Unter Wirkung der Schillerfeiern entsteht eine Anzahl neuer Burschenschaften an Hohschulen im späteren Deutschen Reich und insbesondere in Österreich.

18. Januar 1871 
Kaiserproklamation in Versailles. Mit der Reichsgründung sehen fast alle Burschenschaften ihre Forderungen erfüllt und erklären sich mit den herrschenden Mächten einverstanden. Man vergißt, daß man einmal Freiheit, Liberalismus, Demokratie und Abbau der sozialen Schranken gefordert hat.

20. Juli 1881
Gründung des "Allgemeinen Deputierten-Convents", des Zusammenschlusses der Burschenschaften an den reichsdeutschen Universitäten.

Burschenschafterdenkmal1883
Enthüllung der Burschenschafterdenkmals auf dem Eichplatz in Jena

11. November 1883
Stiftung des "Allgemeinen Deutschen Burschenbundes" der Reformburschenschaften, der bis 1934 besteht.

16. März 1889
Gründung des "Niederwald-Deputierten-Convents" der Burschenschaften an den Technischen Hochschulen Reichsdeutschlands.

6. August 1890
75-Jahr-Feier der Burschenschaft. Gründung der "Vereinigung alter Burschenschafter" (VaB) im Deutschen Reich, die die Altherrenschaften und Ortsgruppen umfaßt.

28. November 1896
Auflösung des NDC, an dessen Stelle am gleichen Tage der "Binger DC" tritt (ab 1905 "Rüdesheimer Verband Deutscher Burschenschaften", bis 1919).

1902
ADC nennt sich in "Deutsche Burschenschaft" um. Auf Anregung der DB Einsetzen einer Bewegung zur Einschränkung der Pistolenduelle.

21. Mai 1902

Burschenschafterdenkmal

Einweihung des Burschenschaftsdenkmals auf der Göpelskuppe in Eisenach zu Ehren der im Kriege gegen Frankreich gefallenen Burschenschafter und der Schöpfer des Deutschen Reiches.

19. - 20. Mai 1907
Die Burschenschaften in Österreich-Ungarn schließen sich in der "Burschenschaft der Ostmark" zusammen.

1914
Marburger Abkommen zu Vermeidung von Realinjurien zur Aufhebung von Verrufen.

3. - 5. Januar 1919
Außerordentlicher Burschentag in Berlin: Zusammenschluß von DB und RVDB. Belebung der Arbeit im großdeutschen Sinne.

4. - 8. August 1919
Auf dem Burschentag in Jena Zusammenschluß mit der "Burschenschaft der Ostmark".

30. Juni 1921
Erlanger Verbände- und Ehrenabkommen: Beseitigung von Verruf und Tatbeleidigung zwischen KSCV, Burschenschaft, Landsmannschaft und Turnerschaft. Abschaffung des Duells.

15. - 16. Mai 1932
Der Burschentag bejaht "den Nationalsozialismus als wesentlicher Teil der volklichen Freiheitsbewegung".

3. Mai 1933 
Nach der Machtübernahme durch Adolf Hitler am 30. Januar übertragen die Amtsstellen und Amtsträger der DB und VaB dem Parteigenossen Dipl.-ing. Otto Schwab die Führung der DB für ein Jahr. Dieser nimmt den Auftrag mit der Absicht an, während dieser Zeit den nationalsozialistischen Umbau der Burschenschaft zu vollziehen.

3. - 4. Juni 1933
Burschen- und Altherrentag genehmigen die Übernahme der Führung durch Schwab. Altherrenschaft und Jungburschenschaft werden miteinander verschmolzen. Einweihung des Ehrenmals für die imWeltkrieg gefallenen Burschenschafter unterhalb des Burschenschaftsdenkmals.

1. Januar 1934
Aufnahme des ADB in die DB im Rahmen der von Schwab durchgeführten burschenschaftlichen Konzentration.

18. Oktober 1935
Die DB wird in einer Nachahmung des Wartburgfestes unter Ablegung der Farben zugunsten des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDStB) aufgelöst.

13. März 1938
Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich. Die "Burschenschaft der Ostmark" löst sich auf. Ihre Verbindungen treten als Kameradschaften zum NSDStB über.

1938 - 1945
Entstehung von "Kameradschaften" im Anschluß an Altherrenschaften der waffenstudentischen Korporationen, die später vielfach in Opposition zum NSDStB stehen und z.T. die burschenschaftliche Tradition in der Tarnung der Kameradschaft fortführen können.

1945 - 1949 
Entstehung burschenschaftlicher Verbindungen in den westlichen Besatzungszonen Deutschlands und in Österreich.

November 1949
Burschentag mit 68 burschenschaftlichen Verbindungen in Marburg: Gründung der "Marburger Arbeitsgemeinschaft deutscher Studentenverbindungen" mit burschenschaftlichem Vorzeichen.

16. - 17. Juni 1950
Burschentag in Marburg: Wiedergründung der DB mit Wirkung vom 12. Juni 1950. Einigkeit in grundsätzlichen Fragen, jedoch Meinungsverschiedenheiten über die Bestimmungsmensur und das öffentliche Tragen von Farben; organisatorischer Aufbau des Verbandes.

3. Januar 1953
Arbeits- und Freundschaftsabkommen der DB mit dem am 29. Mai 1952 gegründeten "Allgemeinen Delegierten-Convent" (ADC) der Burschenschaften in Österreich ("Welser Abkommen").

3. - 5. Juni 1954
Burschentag in Regensburg: Einführung der Bestimmungsmensur als Verbandsgrundsatz. In den folgenden Jahren Erstarkung und Aktivierung des Verbandes.

29. - 30. Mai 1958
Burschentag in Landau: Die DB bekennt sich zum Grundsatz der Menschenwürde und distanziert sich von jedem Antisemitismus und Rassenwahn.

30. April - 3. Mai 1959
100-Jahr-Feier der Deutschen Burschenschaft in Österreich.; Umbenennung des ADC in DBÖ.

23. - 27. Mai 1961
Burschentag in Nürnberg: Ablehnung der Fusion von DB und DBÖ.

8. - 12. Juni 1965
150-Jahrfeier der DB in Berlin. Gründung des Dachverbandes zwischen DB und DBÖ.

6. - 8. Oktober 1971 
Burschentag in Landau: Vermeidung der Spaltung der DB durch den "historischen Kompromiß": Freistellung der Bestimmungsmensur; Möglichkeit des Einzelbeitritts der Burschenschaften in Österreich in die DB. Weitere Punkte der neuen Verfassung: Verankerung des volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriffes; Einführung des Selbstausschlusses bei Aufgabe von Grundsätzen.

22. Februar 1973
Entscheidung des Rechtsausschusses zur Unvereinbarkeit der Mitgliedschaft von Kriegsdienstverweigerern in einer Burschenschaft.

September 1974
Große Chilefahrt der Deutschen Burschenschaft.

Pfingsten 1990
175-Jahrfeier der Gründung der Burschenschaft in Berlin

29. Mai - 2. Juni 1991
Zum ersten Mal seit 1935 findet ein Burschentag wieder in Eisenach statt, ermöglicht durch die Vereinigung von Bundesrepublik Deutschland und Deutscher Demokratischer Republik.

Pfingsten 1992
Einweihung des renovierten Burschenschaftsdenkmals in Eisenach im Rahmen des Burschentages.

Oktober 1992
175-Jahrfeier des Wartburgfestes in Eisenach.

13. Januar 1996
Gründung der "Neuen Deutschen Burschenschaft" bestehend aus acht Mitgliedsbünden.

September 1996
Zweite große Chilefahrt der Deutschen Burschenschaft. Vertreter aus 49 Burschenschaften aus Deutschland und Österreich besuchen das 100. Stiftungsfest der ältesten chilenischen Burschenschaft, der B! Araucania Santiago.

21. - 25. Mai 1997
Der Burschentag in Jena beschließt, daß auch Fachhochschüler Mitglied von Burschenschaften der Deutschen Burschenschaft werden können. In der Folgezeit löst sich der Dachverband der "Deutschen Ingenieur Burschenschaft" (DIB) auf. Mitglieder die vormals dem DIB angehörten, werden Mitglied der DB.

04. Juni 1998
Entscheidung des Rechtsausschusses, daß Wehrdienstverweigerern bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen in einer Burschenschaft aufgenommen werden können.

Siegel der DB

Entnommen aus der Zeittafel zur burschenschaftlichen Geschichte, Teil I: 1810-1945 bearbeitet von E.W. Wreden, Teil II: 1945-82 bearbeitet von D. Kopp und K. Oldenhage