Die Burschenschaft taucht an den deutschen Universitäten unmittelbar
nach den Freiheitskriegen gegen Napoleon in den Jahren 1813 bis 1815 als
eine neue Erscheinung auf: sie ist in bewußter Abweichung von den
Traditionen der bestehenden Landsmannschaften die Trägerin neuer Ideen
und Grundsätze; sie will das studentische Leben auf eine neue Basis
stellen und vollkommen umgestalten, indem den alten verrotteten Zuständen
des Pennalismus, verbunden mit roher Rauflust und materielle Genußsucht
sowie andere Unsitten, wie sie von den Landsmannschaften gepflegt wurden,
ein Ende bereitet werden sollte. Die alte Deutsche Burschenschaft ist das
Ergebnis eines langen Entwicklungsvorganges: sie ist eine "landsmannschaftliche
Evolution".
Zwei Tendenzen waren für die Bildung der alten Burschenschaft
wirksam: das Bedürfnis nach einer Reform des studentischen Lebens
und der Drang nach Beseitigung der bisherigen landsmannschaftlichen Zersplitterung,
nach Schaffung eines einheitlichen Verbandes, der alle Kommilitonen einer
und der selben Hochschule zu einem Ganzen zusammenfassen sollte; ja sogar
noch darüber hinaus sämtlicher Universitäten des gesamten
deutschen Vaterlandes.
12.
Juni 1815
Gründung der Jenaischen Burschenschaft, der sog. "Urburschenschaft".
Sie war der Zusammenschluß Jenaer Studenten, deren Ziele die nationale
Einheit aller Deutschen (nach den Beschlüssen des Wiener Kongresses
vom Sommer 1815 war Deutschlands in 38 Teilstaaten zerstückelt worden)
und die Befreiung von obrigkeitsstaatlichem Regiment waren.
18. Oktober 1817
Wartburgfest, die Jenaische Burschenschaft lädt alle deutschen Studenten auf die
Wartburg bei Eisenach ein. Anlaß war das 300. Jahr seit der Reformation
und der 4. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig. Bekräftigung
der burschenschaftlichen Forderungen auf Freiheit und Einigung Deutschlands.
29. März - 3. April 1818
Erster Burschentag zu Jena, Annahme der 19 Punkte als Grundlage einer
künftigen Verfassung.
10. - 18. Oktober 1818
Zweiter Jenaischer Burschentag, Gründung der Allgemeinen Deutschen
Burschenschaft.
23. März 1819
Die aus der Enttäuschung über die nicht erfolgte deutsche
Einigung entstandene Radikalisierung eines Teils der Burschenschaft gipfelt
in der Ermordung des Schriftstellers Kotzebue durch den Burschenschafter
Karl Ludwig Sand. Dieser wurde gefaßt und zum Tode verurteilt. Kotzebue
galt als Spion des Zaren. Er warnte in einer Denkschrift vor den Universitäten
als "Brutstätten der Revolution". Der Mord ist Anlaß zu den
"Karlsbader Beschlüssen" vom August 1819, die u.a. die Aufösung
der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft bestimmt.
1825
Herausbildung der Gegensätze zwischen "arminischen" und "germanischen"
Prinzipien, die zur Aufspaltung der Burschenschaft führen. Die Germanen
sind waffenfreudig und bereit zu politischer Aktion. Sie bleiben radikal
und lehnen den Fürstenstaat des Deutschen Bundes ab. Nationale und
soziale Forderungen stehen gleichberechtigt. Die Arminen besitzen zwar
noch Nationalbewußtsein, aber sie halten den politischen und sozialen
Anspruch nicht mehr aufrecht und versuchen, sich mit den Fürsten zu
arrangieren.
September 1827
Wiedererrichtung der Allgemeine Deutsche Burschenschaft auf dem Burschentag
zu Bamberg. Die Germanen setzen sich durch und schließen die arminisch
gerichteten Burschenschaften aus.
27. Mai 1832
Hambacher Volksfest, bei dem die burschenschaftliche Fahne ihre Weihe
als deutsche Volks- und Freiheitsfahne erhält.
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175 Jahre Hambacher Fest
Im Jahr 2007 gedenkt die Deutsche Burschenschaft des 175. Jahrestages
des Hambacher Festes, welches vom 27. bis 30. Mai 1832 in der Pfalz auf
dem Hambacher Schloß bei Neustadt an der Haardt (heute a.d. Weinstraße) stattfand. Die Forderung der
Burschenschaft nach Einheit, Freiheit und Demokratie gilt als Höhepunkt
frühliberaler bürgerlicher Opposition in Restauration und Vormärz und
hat auch heute zentralen Stellenwert innerhalb der Deutschen
Burschenschaft. Quelle: Seite der
Deutschen Burschenschaft
Foto: Chargen beim Festkommers in der Jugenstilhalle Landau
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3.
April 1833
Frankfurter Wachensturm unter Beteiligung von etwa 40 Burschenschaften.
Nach seinem Mißlingen zahlreiche Hochverratsprozesse, die namentlich
in Preußen zur Verhängung von außerordentlich schweren
Freiheitsstrafen führen. Unterdrückung jedes studentischen Verbindungswesen
durch die Frankfurter Bundeszentralbehörde.
Februar 1848
Pariser Revolution mit starker Wirkung auf Deutschland und das dortige
studentische Leben.
18. Mai 1848
Zusammentritt der deutschen Nationalversammlung in Frankfurt, der zahlreiche
Burschenschafter als Mitglieder und Führer der verschiedenen Parteien
angehören. Anerkennung der burschenschaftlichen Farben " Schwarz-Rot-Gold" als Farben des deutschen Volkes.
Pfingsten 1848
2. Wartburgfest, stark besucht von Vertretern der progressistischen
und konservativ-studentischen Richtung. Im Anlehnung an die Urburschenschaft
Forderung nach Schaffung einer deutschen Gesamtstudentenschaft. Infolge
Wegfalls des Vereinsverbotes wird 1848 und in den folgenden Jahren eine
Anzahl von Burschenschaften im späteren Deutschen Reich und Österreich
begründet.
1859
Als Folge des österreichisch-italienischen Krieges erstarkt die
deutsche Einheitsbewegung. Gründung des Nationalvereins unter führender
Beteiligung der alten Burschenschafter v. Rochau und Nagel. Unter Wirkung
der Schillerfeiern entsteht eine Anzahl neuer Burschenschaften an Hohschulen
im späteren Deutschen Reich und insbesondere in Österreich.
18. Januar 1871
Kaiserproklamation in Versailles. Mit der Reichsgründung sehen
fast alle Burschenschaften ihre Forderungen erfüllt und erklären
sich mit den herrschenden Mächten einverstanden. Man vergißt,
daß man einmal Freiheit, Liberalismus, Demokratie und Abbau der sozialen
Schranken gefordert hat.
20. Juli 1881
Gründung des "Allgemeinen Deputierten-Convents", des Zusammenschlusses
der Burschenschaften an den reichsdeutschen Universitäten.
1883
Enthüllung der Burschenschafterdenkmals auf dem Eichplatz in Jena
11. November 1883
Stiftung des "Allgemeinen Deutschen Burschenbundes" der Reformburschenschaften,
der bis 1934 besteht.
16. März 1889
Gründung des "Niederwald-Deputierten-Convents" der Burschenschaften
an den Technischen Hochschulen Reichsdeutschlands.
6. August 1890
75-Jahr-Feier der Burschenschaft. Gründung der "Vereinigung alter
Burschenschafter" (VaB) im Deutschen Reich, die die Altherrenschaften und
Ortsgruppen umfaßt.
28. November 1896
Auflösung des NDC, an dessen Stelle am gleichen Tage der "Binger
DC" tritt (ab 1905 "Rüdesheimer Verband Deutscher Burschenschaften",
bis 1919).
1902
ADC nennt sich in "Deutsche Burschenschaft" um. Auf Anregung der DB
Einsetzen einer Bewegung zur Einschränkung der Pistolenduelle.
21. Mai 1902
Einweihung des Burschenschaftsdenkmals auf der Göpelskuppe in
Eisenach zu Ehren der im Kriege gegen Frankreich gefallenen Burschenschafter
und der Schöpfer des Deutschen Reiches.
19. - 20. Mai 1907
Die Burschenschaften in Österreich-Ungarn schließen sich
in der "Burschenschaft der Ostmark" zusammen.
1914
Marburger Abkommen zu Vermeidung von Realinjurien zur Aufhebung von
Verrufen.
3. - 5. Januar 1919
Außerordentlicher Burschentag in Berlin: Zusammenschluß
von DB und RVDB. Belebung der Arbeit im großdeutschen Sinne.
4. - 8. August 1919
Auf dem Burschentag in Jena Zusammenschluß mit der "Burschenschaft
der Ostmark".
30. Juni 1921
Erlanger Verbände- und Ehrenabkommen: Beseitigung von Verruf und
Tatbeleidigung zwischen KSCV, Burschenschaft, Landsmannschaft und Turnerschaft.
Abschaffung des Duells.
15. - 16. Mai 1932
Der Burschentag bejaht "den Nationalsozialismus als wesentlicher Teil
der volklichen Freiheitsbewegung".
3. Mai 1933
Nach der Machtübernahme durch Adolf Hitler am 30. Januar übertragen
die Amtsstellen und Amtsträger der DB und VaB dem Parteigenossen Dipl.-ing.
Otto Schwab die Führung der DB für ein Jahr. Dieser nimmt den
Auftrag mit der Absicht an, während dieser Zeit den nationalsozialistischen
Umbau der Burschenschaft zu vollziehen.
3. - 4. Juni 1933
Burschen- und Altherrentag genehmigen die Übernahme der Führung
durch Schwab. Altherrenschaft und Jungburschenschaft werden miteinander
verschmolzen. Einweihung des Ehrenmals für die imWeltkrieg gefallenen
Burschenschafter unterhalb des Burschenschaftsdenkmals.
1. Januar 1934
Aufnahme des ADB in die DB im Rahmen der von Schwab durchgeführten
burschenschaftlichen Konzentration.
18. Oktober 1935
Die DB wird in einer Nachahmung des Wartburgfestes unter Ablegung der
Farben zugunsten des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes
(NSDStB) aufgelöst.
13. März 1938
Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich. Die "Burschenschaft
der Ostmark" löst sich auf. Ihre Verbindungen treten als Kameradschaften
zum NSDStB über.
1938 - 1945
Entstehung von "Kameradschaften" im Anschluß an Altherrenschaften
der waffenstudentischen Korporationen, die später vielfach in Opposition
zum NSDStB stehen und z.T. die burschenschaftliche Tradition in der Tarnung
der Kameradschaft fortführen können.
1945 - 1949
Entstehung burschenschaftlicher Verbindungen in den westlichen Besatzungszonen
Deutschlands und in Österreich.
November 1949
Burschentag mit 68 burschenschaftlichen Verbindungen in Marburg: Gründung
der "Marburger Arbeitsgemeinschaft deutscher Studentenverbindungen" mit
burschenschaftlichem Vorzeichen.
16. - 17. Juni 1950
Burschentag in Marburg: Wiedergründung der DB mit Wirkung vom
12. Juni 1950. Einigkeit in grundsätzlichen Fragen, jedoch Meinungsverschiedenheiten
über die Bestimmungsmensur und das öffentliche Tragen von Farben;
organisatorischer Aufbau des Verbandes.
3. Januar 1953
Arbeits- und Freundschaftsabkommen der DB mit dem am 29. Mai 1952 gegründeten
"Allgemeinen Delegierten-Convent" (ADC) der Burschenschaften in Österreich
("Welser Abkommen").
3. - 5. Juni 1954
Burschentag in Regensburg: Einführung der Bestimmungsmensur als
Verbandsgrundsatz. In den folgenden Jahren Erstarkung und Aktivierung des
Verbandes.
29. - 30. Mai 1958
Burschentag in Landau: Die DB bekennt sich zum Grundsatz der Menschenwürde
und distanziert sich von jedem Antisemitismus und Rassenwahn.
30. April - 3. Mai 1959
100-Jahr-Feier der Deutschen Burschenschaft in Österreich.; Umbenennung
des ADC in DBÖ.
23. - 27. Mai 1961
Burschentag in Nürnberg: Ablehnung der Fusion von DB und DBÖ.
8. - 12. Juni 1965
150-Jahrfeier der DB in Berlin. Gründung des Dachverbandes zwischen
DB und DBÖ.
6. - 8. Oktober 1971
Burschentag in Landau: Vermeidung der Spaltung der DB durch den "historischen
Kompromiß": Freistellung der Bestimmungsmensur; Möglichkeit
des Einzelbeitritts der Burschenschaften in Österreich in die DB.
Weitere Punkte der neuen Verfassung: Verankerung des volkstumsbezogenen
Vaterlandsbegriffes; Einführung des Selbstausschlusses bei Aufgabe
von Grundsätzen.
22. Februar 1973
Entscheidung des Rechtsausschusses zur Unvereinbarkeit der Mitgliedschaft
von Kriegsdienstverweigerern in einer Burschenschaft.
September 1974
Große Chilefahrt der Deutschen Burschenschaft.
Pfingsten 1990
175-Jahrfeier der Gründung der Burschenschaft in Berlin
29. Mai - 2. Juni 1991
Zum ersten Mal seit 1935 findet ein Burschentag wieder in Eisenach
statt, ermöglicht durch die Vereinigung von Bundesrepublik Deutschland
und Deutscher Demokratischer Republik.
Pfingsten 1992
Einweihung des renovierten Burschenschaftsdenkmals in Eisenach
im Rahmen des Burschentages.
Oktober 1992
175-Jahrfeier des Wartburgfestes in Eisenach.
13. Januar 1996
Gründung der "Neuen Deutschen Burschenschaft"
bestehend aus acht Mitgliedsbünden.
September 1996
Zweite große Chilefahrt der Deutschen Burschenschaft. Vertreter aus 49
Burschenschaften aus Deutschland und Österreich besuchen das 100. Stiftungsfest
der ältesten chilenischen Burschenschaft, der B! Araucania Santiago.
21. - 25. Mai 1997
Der Burschentag in Jena beschließt, daß auch Fachhochschüler
Mitglied von Burschenschaften der Deutschen Burschenschaft werden können. In
der Folgezeit löst sich der Dachverband der "Deutschen Ingenieur Burschenschaft"
(DIB) auf. Mitglieder die vormals dem DIB angehörten, werden Mitglied der DB.
04. Juni 1998
Entscheidung des Rechtsausschusses, daß Wehrdienstverweigerern bei Vorliegen bestimmter
Voraussetzungen in einer Burschenschaft aufgenommen werden können.
Entnommen aus der Zeittafel zur burschenschaftlichen Geschichte,
Teil I: 1810-1945 bearbeitet von E.W. Wreden, Teil II: 1945-82 bearbeitet
von D. Kopp und K. Oldenhage
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