Bekannte Raczeks


Hans Werner Bracht - Professor des Rechts
(*1927 in Breslau, Schlesien, † Februar 2005 in Lemgo, Lippe) war ein deutscher Jurist und Professor für öffentliches Recht sowie Wirtschaftsrecht. Er studierte in Marburg Rechts- und Staatswissenschaften, und lehrte als Professor für Öffentliches Recht und Wirtschaftsrecht an den Fachhochschulen Lemgo und Bielefeld. Nach seiner Pensionierung arbeitet er als Rechtsanwalt. Vor Gericht vertrat er unter anderem die als rechtsextrem eingestuften Personen Markus Privenau und Udo Walendy. Er war Mitglied der CDU und wurde nach seinem Ausschluß aus der Partei zum Mitbegründer der Deutschen Sozialen Union (DSU). Er war auch Gründungsmitglied und Präsident des Vereins Western Goals of Europe, dem Ableger einer US-amerikanischen konservativen Vereinigung gegründet 1979 von dem konservativen Abgeordneten im US-Kongreß, Lawrence P. McDonald, der damals zu den führenden Mitgliedern der John Birch Society in den USA gehörte.

Max Friedländer - Journalist Max Friedländer - Journalist
(* 18. Juni 1829 in Pleß; † 20. April 1872 in Nizza, Frankreich) war ein österreichischer Journalist.

Max Friedländer besuchte Schulpforta, widmete sich dann gleichzeitig mit seinem Vetter Ferdinand Lassalle juristischen Studien auf den Universitäten von Berlin, Breslau und Heidelberg und ward nach deren Vollendung als Assessor am Stadtgericht in Breslau angestellt. Sein bald darauf veröffentlichtes Buch über das geistige Eigentum: Der ausländische und einheimische Rechtsschutz gegen Nachdruck und Nachbildung (Leipzig 1857) erregte Aufsehen in juristischen Kreisen. Als Publizist trat er zuerst 1856 mit Beiträgen für die Wiener Presse hervor, siedelte bald darauf nach Wien über und trat als Mitarbeiter in die Redaktion der genannten Zeitung.

Seine volkswirtschaftlichen Aufsätze hatten einen bedeutenden Erfolg; insbesondere lenkten seine Aufsätze über den politischen Tendenzprozeß gegen Richter, den Direktor der Kreditanstalt, die er unter den drückendsten Presseverhältnissen schrieb, die allgemeine Aufmerksamkeit auf ihn. Nach dem italienischen Krieg führte er einen erfolgreichen publizistischen Feldzug für die Einführung einer konstitutionellen Verfassung und gegen den Anton Schmerlingschen Scheinliberalismus. Mit Michael Etienne und Adolf Werthner begründete er im September 1864 die Neue Freie Presse und blieb mit jenen vereint bis zu seinem Tod an der Spitze des großen Blattes tätig. Er war unter anderem für den Wirtschaftsteil "Economist" der "Neuen Freien Presse" zuständig.

Max Friedländer war außerdem einer der Mitbegründer des bekannten Etablissement Ronacher in Wien. Er starb am 20. April 1872 in Nizza.

Heinrich Göppert - Botaniker und Paläontologe Heinrich Göppert - Botaniker und Paläontologe
(* 25. Juli 1800 in Sprottau, Niederschlesien; † 18. Mai 1884 in Breslau) war ein deutscher Botaniker, Paläontologe und Universitätsprofessor

Göppert machte zunächst in Sprottau und Neiße eine Lehre als Apotheker bevor er ab 1821 an den Universitäten Breslau und Berlin Medizin studierte. In seiner Breslauer Studienzeit schloß er sich der Breslauer Burschenschaft an, weswegen er von der Universität exmatrikuliert worden ist. 1826 ließ er sich als Arzt in Breslau nieder, habilitierte sich im folgenden Jahr in den Fächern Medizin und Botanik und wurde 1831 zum Professor für Botanik und Kurator am Botanischen Garten sowie als Lehrer an der chirurgischen Lehranstalt zu Breslau berufen.

1839 wurde er ordentlicher Professor für der Botanik und 1852 Direktor des Botanischen Gartens.

Von Göpperts zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigen sich viele mit den Lebenserscheinungen der Pflanzen, insbesondere mit dem Leben der Bäume. Sein größtes Verdienst liegt jedoch auf dem Gebiet der Paläobotanik, zu deren bedeutendste Vertreter Göppert im 19. Jahrhundert zählte.

Rudolf von Gottschall - Schriftsteller Rudolf von Gottschall - Schriftsteller
(* 30. September 1823 in Breslau; † 21. März 1909 in Leipzig) war ein deutscher Dramatiker, Epiker, Erzähler, Literarhistoriker und Kritiker. 1877 wurde er geadelt (von Gottschall).
 
Rudolf Gottschall, Sohn eines preußischen Artillerieoffiziers, studierte seit 1841 in Königsberg Rechtswissenschaften, wurde aber wegen politischer Agitation von der Universität verwiesen. Er setzte sein Studium in Breslau, dann in Berlin fort und konnte schließlich 1846 in Königsberg promovieren. 1841 hatte er sich außerdem in Königsberg der Burschenschaft Hochhemia und 1843 der Breslauer Burschenschaft angeschlossen.

1847 wurde er Dramaturg am Königsberger Stadttheater, ging 1848 nach Hamburg, 1852 nach Breslau (er heiratete Marie Freiin von Seherr-Thoß) und 1862 nach Posen, wo er kurzzeitig Redakteur der Ostdeutschen Zeitung war. Von 1864 bis 1888 war Gottschall Herausgeber der Blätter für literarische Unterhaltung und Unsere Zeit (beide Zeitschriften im Besitz des Verlagshause F. A. Brockhaus) in Leipzig. 1877 wurde Gottschall der erbliche Adel verliehen.

Gottschalls fortschrittliches Schaffen war zu seinen Lebzeiten geachtet, seine Dramen wurden gerne gespielt. Seine Werke zeichneten sich vor allem durch unabhängige Urteilskraft, aber auch durch zeitbezogene Kritik aus, was mit dazu beigetragen hat, daß er nach seinem Tode schnell in Vergessenheit geriet.

Karl von Holtei - Schriftsteller, Schauspieler, Theaterleiter und - regisseur Karl von Holtei - Schriftsteller, Schauspieler, Theaterleiter und - regisseur
(* 24. April 1798 in Breslau; † 12. Februar 1880 ebenda) war ein deutscher Schriftsteller, Schauspieler, Rezitator, Theaterregisseur und Theaterleiter.

- Kindheit und Jugend

Karl von Holtei entstammte einer evangelischen Offiziersfamilie von kurländischem Adel. Seine Eltern waren der Husarenoffizier Karl von Holtei und Wilhelmine, geb. von Kessel. Da die Mutter kurz nach seiner Geburt starb, wurde er von seiner Tante, der Freifrau von Arnold versorgt. Er besuchte zuerst das Friedrichs-, dann das Maria-Magdalenen-Gymnasium in Breslau und nahm 1815 als Freiwilliger am Feldzug gegen Napoleon teil. Nach der Rückkehr holte er das Abitur nach und begann anschließend ein Studium der Rechte an der Universität Breslau. Bereits in seiner Jugend war Holtei als Schauspieler, Dramaturg, Regisseur und Bühnendichter tätig.

- Grafenort

Zusammen mit Karl Seydelmann begann er 1816 seine Schauspielerlaufbahn am Schloßtheater des Grafen Johann Hieronymus von Herberstein in Grafenort in der Grafschaft Glatz. Dort lernte er die Sängerin Louise Rogée kennen, die 1821 seine Frau wurde und nach nur vier Ehejahren verstarb. Der Witwer hatte nun eine Tochter und einen Sohn zu versorgen. Der Sohn verstarb 16-jährig in Grafenort, die Tochter heiratete in jungen Jahren den Advokaten Dr. Josef Potpeschnigg und verzog nach Graz in der Steiermark.

In Grafenort war Holtei in 12 Spielsaisons Leiter des Schloßtheaters. Dort schrieb er auch seine ersten schlesischen Dialektgedichte und machte Bekanntschaft mit dem originellen Kaplan Georg Seipel, dem er als "Pater Jörgel" in dem Roman Christian Lammfell ein literarisches Denkmal gesetzt hat. 1826/27 begleitete er den Grafen Herberstein nach Paris. Seine Bühnenwerke 33 Minuten in Grünberg, Die Majoratsherren und Der Russe in Deutschland wurden in Grafenort uraufgeführt. Aus unbekannten Gründen verließ Holtei 1843 Grafenort, das er als seine zweite Heimat bezeichnete.

- Wanderschaft

1824 war Holtei Direktions-Sekretär und Dramaturg am Königsstädtischen Theater am Alexanderplatz in Berlin. Viele seiner Stücke wurden dort aufgeführt, was seinen Ruhm begründete. In Berlin heiratete er 1830 die Schauspielerin und Sängerin Julie Holzbecher, mit der er mehrere Gastspielreisen unternahm. Von 1837 bis 1841 war er Direktor des damals deutschsprachigen Theaters in Riga, wo er Richard Wagner als Kapellmeister engagierte. Als dort 1839 seine zweite Frau verstarb, reiste er ab und kehrte nicht zurück. 1842 übernahm er die künstlerische Leitung des Breslauer Stadttheaters, die er jedoch wegen Unstimmigkeiten mit der Intendanz bald aufgab. Auf Einladung des Fürsten Hatzfeld verbrachte er einige Zeit auf Schloß Trachenberg. Gastspiel- und Vorlesungsreisen führten ihn nach Wien, Prag, Dresden, Hamburg und Weimar.

1849 zog er zu seiner Tochter nach Graz, widmete sich der Herausgabe seiner Theaterstücke und versuchte sich auch als Romanautor. Seine Erzählung Ein Mord in Riga war eine der ersten deutschen Kriminalerzählungen. 1860/61 unternahm er eine Vorlesungsreise durch Schlesien und wurde von seinen Landsleuten begeistert gefeiert. Die Heimatgedichte "Derheeme" und "Heem will ihch" stammen aus dieser Zeit. 1863 übersiedelte er zurück in seine Heimatstadt Breslau, wohnte in einer Mansardenwohnung und dichtete wieder Mundartgedichte. Sein achtzigster Geburtstag wurde festlich begangen. Schon vorher fand er Aufnahme und Pflege im Kloster der Barmherzigen Brüder, wo er auch verstarb.

- Gesellschaftsleben

Karl von Holtei war ein Autor, der das Gesellschaftliche als wichtige Komponente seines Wirkens verstand, und sich ein internationales Kontaktnetz schaffte. In den Jahren 1827, 1829, 1830 und 1831 besuchte er Goethe in Weimar, der seine Mundartgedichte lobte. Er war mit Joseph von Eichendorff und Gustav Freytag befreundet.

Holtei zog sich vom Theater zurück, weil er moderne Tendenzen wie den aufkommenden Naturalismus im Theater oder die endgültige Trennung zwischen Schauspiel und Oper nicht mitmachen konnte und wollte. Der deutschsprachige Raum war für ihn stets noch ein loses Gebinde kleiner Staaten und Städte, so daß er der zunehmenden Urbanisierung und Internationalisierung mit Unverständnis begegnete. So präsentierte er sich gerne als Relikt aus einer längst vergangenen Zeit. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörte er zu den populärsten Gestalten der deutschsprachigen Literatur.

Karl von Holtei - Schriftsteller, Schauspieler, Rezitator, Theaterregisseur und Theaterleiter- Werk

Holtei versuchte, die deutsche Sprache gegenüber dem Französischen (aus dem damals noch die meisten deutschen Literatur- und Theaterprodukte übersetzt waren), aufzuwerten, indem er verschiedenste Dialekte verwendete. Dieses Stilmittel gab es nicht im Französischen. Die Aufwertung des Dialekts gegenüber der Hochsprache verstand sich nicht zuletzt als Aufwertung des Bürgerlichen gegenüber dem Aristokratischen. Selbst ein Angehöriger des niederen Adels, bemühte sich Holtei, zwischen Adel und Bürgertum zu vermitteln, statt die Konflikte zu betonen, die in den Revolutionsjahren 1830 und 1848 zum Ausbruch kamen. Bekannt wurden seine Possen Die Berliner in Wien und Die Wiener in Berlin, in denen er mit Sprachunterschieden operierte.

Ebenso beherrschte er die Umsetzung eines Mediums in ein anderes: Aus der berühmten Ballade Lenore von Gottfried August Bürger machte er etwa ein Bühnenmelodram. In seinem Roman Der letzte Komödiant gab er Theateraufführungen eine erzählerische Form.

"Er ragt unter den schlesischen Dichtern als Verkörperung schlesischer Wesensart hervor", schreibt Klaus Ullmann im ‚Schlesien Lexikon’ (Würzburg 1996, S. 144). Und Wilhelm Menzel rühmt ihn als "eigentlichen Begründer der schlesischen Mundartdichtung" (Mundart und Mundartdichtung in Schlesien, München 1976, S. 81). Er ist uns aber nicht nur als Dichter vertraut, sondern auch als Herausgeber des "Breslauer Commersbuches" von 1819. Als in Folge der Karlsbader Beschlüsse die Breslauer Burschenschaft am 22. November 1819 zur Auflösung gezwungen wurde, ging man nach dem Holteischen ‚Bundeslied’ auseinander:

Auf Brüder, reichet Euch die Hand
und schließt das Band
der reinsten Freundschaft.
Unseren Bund trennt nur der Tod!
Kein Geschick, ja keine Not
soll unsre, soll unsre, soll unsre Freundschaft stören!

Einst werden wir uns wieder sehn
und fester steht
und unsren Bund erneun.
Unsern Bund trennt nur der Tod!
Kein Geschick, ja keine Not
soll unsre, soll unsre, soll unsre Freundschaft stören!

Nun folgt zum Schluß
der Trauerkuß,
der Abschiedsgruß der treuen Bruderschaft.
Unsern Bund trennt nur der Tod!
Kein Geschick, ja keine Not
soll unsre, soll unsre, soll unsre Freundschaft stören!


Ferdinand Lassalle - Gründungsvater der deutschen Sozialdemokratie Ferdinand Lassalle - Gründungsvater der deutschen Sozialdemokratie
(* 11. April 1825 in Breslau als Ferdinand Lassal; † 31. August 1864 in Carouge/Schweiz nahe Genf) war ein deutscher Schriftsteller, Politiker, Staatssozialist und Arbeiterführer.

Als erster Präsident des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) war er 1863 der Gründer der ersten Vorgängerorganisation der bis heute bestehenden SPD im damaligen Preußen, und gilt damit als einer der Gründerväter der deutschen Sozialdemokratie.
 
Ferdinand Lassalle. Nachgelassene Briefe und Schriften
Nachgelassene Briefe und Schriften von Ferdinand Lassalle, Hg. von Gustav Mayer, 6 Bde., Stuttgart-Berlin 1921-1925. Ferdinand Lassalle (1825-1864) ist neben Karl Marx und Friedrich Engels der bedeutendste Kopf der deutschen Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts. Seine Wirkung reicht mit seinen Schriften und der Gründung des "Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins" (1863) in Leipzig, aus dem die Sozialdemokratische Partei Deutschlands entstanden ist, bis in die Gegenwart. Die von Gustav Mayer (1871-1948) im Rahmen der "Deutschen Geschichtsquellen des 19. Jahrhunderts" in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts herausgegebene Edition "Ferdinand Lassalle. Nachgelassene Briefe und Schriften" ist nach wie vor eine zentrale Schlüsselquelle für seine Persönlichkeit und sein politisches Wirken.
 
 http://www.historische-kommission-muenchen-editionen.de/lassalle/

Quelle: Clio-online - Internetportal für die Geschichtswissenschaften

 
Grab von Ferdinand Lassalle
Raczeks vor dem Grab ihres berühmtesten Bundesbruders: Ferdinand Lassalle
 Aktivenfahrt zum Grab von Lassalle (14.-17. August 2006)

Franz Mader - Jurist Franz Mader - Jurist
(* 28. Januar 1912 in Mitteldorf bei Grulich, (Adlergebirge); † 24. Oktober 1988 in Bielefeld) war ein deutscher Offizier und Politiker. Er war von 1967 bis 1980 Mitglied des Landtages von Nordrhein-Westfalen (MdL) sowie Ehrenvorsitzender des Bundesvorstandes der Landsmannschaft Schlesien.

Mader studierte Rechtswissenschaften an der Universität Breslau. Im Zweiten Weltkrieg war er zunächst Soldat der Deutschen Wehrmacht und stieg bis zum Regimentskommandeur auf. Für seine Tapferkeit wurde er hoch dekoriert. Er stellte sich als Oberst der Reserve der 1955 neu gegründeten Bundeswehr zur Verfügung. Nach dem Krieg arbeitete er als Rechtsanwalt und Notar.

Mader war als Mitglied der FDP im Bielefelder Stadtparlament über zwei Jahrzehnte tätig. 1967 zog er als Abgeordneter in den Landtag von Nordrhein-Westfalen, verließ aber 1970 die FDP und wurde Mitglied der CDU. Ebenso wie für seinen oberschlesischen Landsmann und Abgeordneten im Deutschen Bundestag Erich Mende war die Ostpolitik von Willy Brandt und Walter Scheel der Grund für den Austritt. Sein Eintritt in die CDU sicherte den Christdemokraten 1974 über sein Direktmandat gegen den kandidierenden sozialdemokratischen Oberbürgermeister, das erste Mal, daß die CDU diesen Wahlkreis gewinnen konnte. 1980 stellt er sich nicht mehr zur Wiederwahl für den Landtag in NRW.

Mader war Landesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien in Nordrhein-Westfalen, dann stellvertretender Bundesvorsitzender und war gleichzeitig Stellvertreter im Vorstand der Stiftung Schlesien. Später wurde er Ehrenvorsitzender des Bundesvorstand der Landsmannschaft Schlesien.

- Auszeichnungen und Ehrungen
Eduard Schnitzer - Arzt und Afrikaforscher Eduard Schnitzer - Arzt und Afrikaforscher in den Diensten des osmanischen Sultans
(* 28. März 1840 in Oppeln, Schlesien, † 23. Oktober 1892 in Kinena (Kongogebiet)) war ein auch unter dem Namen Mehmed Emin Pascha bekannter Afrikaforscher und Verwalter der sudanesischen Provinz Äquatoria.

- Jugend
Schnitzer, Sohn eines jüdischen Kaufmanns, zog nach dessen Tode mit seiner Mutter nach Neiße. Nach dem Besuch des dortigen Gymnasiums studierte er Medizin in Breslau, Berlin und Königsberg. Während seiner Breslauer Studienzeit schloß er sich der Breslauer Burschenschaft Arminia an. Schnitzer war zweimal verheiratet.

- Im Osmanischen Reich
Nach dem Studium begab er sich in die Türkei. In Antivari (heute Bar in Montenegro), wurde er Hafen- und Distriktsarzt und beteiligte sich als Militärarzt an einer Expedition nach Syrien und Arabien.

1871 folgte er einem Ruf des Gouverneurs Ismail Pascha, dem er zuerst nach Trapezunt und Erzurum und später ins Exil folgte. Nach Ismail Paschas Wiedereinsetzung in sein Amt begleitete er ihn nach Janina und blieb dort bis zu dessen Tod im Jahre 1873.

Schnitzer heiratete darauf die Witwe Ismail Paschas, eine Griechin. Inzwischen war er nicht nur des Französischen, Englischen, Italienischen, verschiedener slawischer Idiome, des Türkischen, Arabischen und Persischen vollständig mächtig geworden, er hatte sich auch die orientalischen Sitten und Gebräuche so angeeignet, daß niemand ihm den westeuropäischen Ursprung anmerkte.

- In Afrika
Gouverneur von Äquatoria

Nach kurzem Besuch der Heimat 1875 begab sich Schnitzer nach Ägypten, folgte 1876 dem neu ernannten Gouverneur Gordon Pascha in den Sudan und wurde als Emin Efendi zum Chefarzt ernannt. Er ging mit Gordon zum Ukerewesee und untersuchte den Somerset (Victoria-Nil), fuhr 1877 von Lado über Dusile abermals den Nil hinauf bis Magungo am Mwutansee und begab sich dann über Masindi nach Mruli und zwischen dem Fluß Kafur und dem Ibrahim Pascha See durch Unyoro südwärts bis zu Mtesas Residenz Rubagha unweit des Ukerewesee.

Darauf zum Bei befördert und 1878 zum Gouverneur in den Äquatorialprovinzen ernannt, ging er von Rubagha zum Ukerewesee und über Mruli und Fauvera wieder nach Magungo. In Unyoro, wo er auch in Mparo auf den dort residierenden Omukama Kabalega traf, erfuhr er, daß der von Henry Morton Stanley entdeckte Beatricegolf nicht, wie jener glaubte, zum Mwutan gehöre, sondern zu einem südlicheren Seebecken.

1879 unternahm er eine Reise nach dem vorher noch nie besuchten westlichen Uferland des Mwutan; 1880 besuchte er das Makrakaland. 1881 wurden die Gebiete von Rohl und Amadi, Teile der Niam-Niam-Länder und ganz Monbuttu zu seiner Provinz hinzugefügt.

Schnitzer war unermüdlich tätig, diese Gebiete zu organisieren und die angrenzenden noch unbekannten Landschaften zu erforschen, als der Aufstand des Mahdi und die Vernichtung der ägyptischen Herrschaft in den nördlich von seiner Provinz gelegenen Bezirken ihn plötzlich völlig von jeder Verbindung mit seiner Regierung abschnitt und ihn in eine äußerst gefährdete Lage brachte.

- Unnötige Rettung durch Henry Morton Stanley
Da sich zu derselben Zeit Wilhelm Junker und Gaetano Casati bei Schnitzer befanden, wurde auf Veranlassung des in Sankt Petersburg ansässigen Bruders von Casati durch Vermittelung Bastians 1886 der Massaiforscher Fischer an der Spitze einer Expedition abgesandt, um sie zu befreien.

Doch war es unmöglich, vom Herrscher von Uganda die Erlaubnis zum Durchzug zu erlangen und Fischer mußte umkehren. Junker gelangte trotzdem glücklich an die Küste, Schnitzer aber blieb auf seinem Posten in Wadelai.

Nun organisierte man in England auf Anregung Felkins eine Expedition, an deren Spitze Stanley gestellt wurde. Dieser mußte König Leopold von Belgien bitten, ihn von den Verpflichtungen ihm gegenüber zu entbinden. Das tat dieser unter der Bedingung, daß Stanley nicht den kürzesten Weg nahm, sondern durch einen noch unbekannten Teil des Kongo reisen mußte. Die Expedition, die bereits nach Sansibar aufgebrochen war wurde deshalb zur Mündung des Kongo umgeleitet. Wohl noch nie war eine so bedeutende und so sorgfältig ausgerüstete Expedition ausgezogen. Stanley hatte unter sich 9 Europäer, 61 Sudanesen, 13 Somali und 620 Sansibariten, führte 50 Esel und außer vortrefflichen Gewehren auch eine Maximkanone mit sich. Auch wußte Stanley den arabischen Händler Tippu-Tip zu gewinnen, der den Posten eines Gouverneurs am oberen Kongo annahm.

Inzwischen war Schnitzer durch Junker von Uganda aus reichlich mit Vorräten versorgt worden.

Stanley fuhr mit Dampfern des Kongostaats den Kongo aufwärts bis zum Aruwimi, an welchem er nun die Landreise antrat. Schnitzer setzte inzwischen seine Forschungsreisen fort und unternahm eine Expedition zur Untersuchung des Kakibbi, des südlichen Zuflusses des Albert Nyanza; er erklärte auch, als die Nachricht von einer abgesandten Entsatzexpedition bei ihm anlangte, ganz entschieden, seinen Posten in Wadelai nicht verlassen zu wollen und hoffte, die Ordnung in seiner Provinz selbst aufrecht erhalten zu können.

Da aber von Stanley bis Ende 1888 keine Nachrichten nach Europa gelangten, auch Berichte von einer Eroberung der Provinz Schnitzers, der inzwischen von der ägyptischen Regierung zum Pascha (1885) ernannt worden war, und seiner Gefangennahme durch den Mahdi nach Europa gelangten, so begann man von verschiedenen Seiten Hilfsexpeditionen auszurüsten. Von Amerika brach Leutnant Shufeldt auf, von England sollte eine Expedition unter Leutnant Swaine ausgehen, von Deutschland wollte man eine Vorhut unter Hermann von Wissmann absenden, während die Leitung der Hauptexpedition der deutsche Forscher und Kolonialpolitiker Carl Peters übernehmen sollte. Zu diesem Zweck wurden überall in Deutschland Sammlungen durchgeführt.

Inzwischen brach in dem von der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft in Verwaltung genommenen Küstenstrich ein lange vorbereiteter, von den dortigen arabischen Sklavenhändlern organisierter Aufstand aus, welcher zur Räumung fast sämtlicher Stationen führte. Dennoch beschloß man deutscherseits, von der Absendung einer Hilfsexpedition nicht abzustehen, und da Wißmann die Stellung eines Reichskommissars für Ostafrika annahm, wurde Peters mit der alleinigen Leitung der Expedition betraut.

Jedoch befand sich Schnitzer nie in ernsthafter Gefahr und rettete letztlich sogar Stanley das Leben, indem er den inzwischen erkrankten nach Deutsch-Ostafrika geleitete. Dort im Dezember 1889 angekommen, ließ er sich nun vom Deutschen Reich anwerben, um seine Afrika-Forschungen fortsetzen zu können.

- Tod durch Sklavenhändler
Am 26. April 1890 startet Schnitzer im Auftrag des Reichskommissar Hermann von Wissmann, zuständig für Deutsch-Ostafrika, eine Expedition, um Gebiete um den Viktoria-See für das Deutsche Reich zu sichern. Dabei wird er am 23. Oktober 1892, in Kinena, einem arabischen Handelsposten, von Sklavenhändlern ermordet.

August Heinrich Simon - Politiker August Heinrich Simon - Politiker
(* 29. Oktober 1805 in Breslau; † 16. August 1860 im Walensee, Schweiz) war ein deutscher Politiker.

Simon studierte von 1824 bis 1827 Rechtswissenschaften sowie Kameralwissenschaften an den Universitäten Berlin und Breslau.

1827 trat er in den preußischen Staatsdienst ein, wurde jedoch bereits 1829 wegen Tötung eines Duellgegners zu lebenslanger Festungshaft verurteilt und in Glogau interniert. Nach seiner Begnadigung 1830 arbeitete er zuerst als Hilfsarbeiter an Breslauer Gerichten und weiter in der regulären Laufbahn an Gerichten in Breslau, Berlin, Magdeburg und Frankfurt an der Oder. 1841 wechselte er in das preußische Kultusministerium. 1845 trat er nach einer Urlaubsverweigerung aus politischen Gründen aus dem preußischen Staatsdienst aus und arbeitete als freier Publizist zusammen mit Robert Blum. 1847 wurde er wegen Majestätsbeleidigung gegenüber Friedrich Wilhelm IV. angeklagt.

1848 war er neben seiner Abgeordnetentätigkeit im preußischen Landtag Delegierter im Vorparlament, wo er die Funktion des Sekretärs wahrnahm und anschließend Mitglied des Fünfzigerausschusses. Vom 18. Mai 1848 bis zum 18. Juni 1849 vertrat er Magdeburg in der Frankfurter Nationalversammlung. Hierbei verschaffte er als Führer der Fraktion Westendhall nach anfänglichem Widerstreben den Erbkaiserlichen um Heinrich von Gagern die Mehrheit bei der Festlegung eines erblichen Staatsoberhaupts in der Paulskirchenverfassung.

Vom 6. Juni bis zum 18. Juni 1849 war Simon Mitglied der vom Rumpfparlament eingesetzten Exekutive, der provisorischen Reichsregentschaft. Nach der Niederschlagung der Revolution floh er im Juli des gleichen Jahres in die Schweiz und wurde anschließend in Abwesenheit aufgrund seiner Zugehörigkeit zur Reichsregentschaft wegen Hochverrats zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt.

In der Schweiz wurde er unternehmerisch tätig und betrieb landwirtschaftliche Güter, beteiligte sich an Steinbrüchen sowie Kupferhütten. Die Universität Zürich verlieh ihm 1851 die Ehrendoktorwürde.

1860 ertrank er bei Murg im Wallenstädter See. 1868 wurde ihm zu Ehren bei Murg ein Denkmal eingeweiht.

Moritz Graf von Strachwitz - Dichter Moritz Graf von Strachwitz - Dichter
(* 13. März 1822 in Peterwitz bei Frankenstein, Schlesien; † 11. Dezember 1847 in Wien) war ein bekannter Balladendichter, der im Tunnel über der Spree ein Vorbild für Theodor Fontanes Balladendichtungen war.

Er entstammte einer schlesischen Adelsfamilie, studierte Jura in Breslau und Berlin. Dann leistete er sein Referendariat beim Kreisgericht Grottkau ab. Danach ging er auf Reisen nach Schweden, Norwegen und Dänemark. Darauf kehrte er zunächst auf sein Gut Peterwitz zurück, siedelte dann aber auf sein mährisches Gut Schwebetau über. Auf einer Italienreise erkrankte er in Venedig und starb kurz nach seiner Rückkehr nach Wien.

Viele seiner Gedichte wurden vertont, u.a. von Robert Schumann, Carl Loewe und Johannes Brahms. Besonders bekannt waren u.a. "Das Lied vom falschen Grafen" und "Hie Welf!".

Von seinem Zeitgenossen Ludwig Fränkel wurde er in der "Allgemeinen deutschen Biographie" wie folgt charakterisiert: "In dem aufreibenden Leben der Großstädte hatte sich seiner eine gewisse Unruhe bemächtigt, [...] nie wieder kam er zur rechten Ruhe, zur Freude am Leben, zur Befriedigung mit seinem Schaffen und sich selbst, zur Erkenntnis seines Berufes" und "Er war eine kühne, in den demoralisierenden Wandelgängen der großen Welt naiv gebliebene Natur."

Sein bekanntestes Gedicht ist "Das Herz von Douglas", aus dem noch gelegentlich zitiert wird:

Sie ritten vierzig Meilen fast
und sprachen Worte nicht vier

und:

kurz ist die schottische Geduld
und lang ein schottisch Schwert!

- Werke
  • Lieder eines Erwachenden, 1842
  • Neue Gedichte, 1848 (Gedichte aus dem Nachlaß)
  • Gedichte, Breslau 1850 (Gesamtausgabe)

Wilhelm Wolff - Weggefährte von Karl Marx Wilhelm Wolff - Weggefährte von Karl Marx
(* 21. Juni 1809 in Tarnau, Schlesien, † 9. Mai 1864 in Manchester, England)
Als Sohn eines Kleinbauern lernte er das damals noch feudal geprägte Abhängigkeitsverhältnis zwischen den „schlesischen Junkern“ und der Unterschicht aus erster Hand kennen. Dieser Konflikt zieht sich wie ein roter Faden durch seine späteren Publikationen. An der Universität Breslau studierte er klassische Philologie. Er konnte sein Studium jedoch nicht beenden, weil er 1834 wegen Mitgliedschaft in der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks und Majestätsbeleidigung zu Festungshaft in Silberberg verurteilt wurde. Ein damaliger Mitinsasse war Fritz Reuter.

Nach seiner Begnadigung 1839 schlug er sich als Privatlehrer durch. Einer drohenden Verhaftung wegen Pressevergehen Anfang 1846 entzog er sich durch Flucht nach London und später nach Brüssel. Dort wurde er mit Karl Marx und Friedrich Engels bekannt. Er war Korrespondent in der „Deutsche-Brüsseler-Zeitung“, aktiv in den Kommunistischen Korrespondenz-Komitees, Redner im deutschen Arbeiterverein und Gründungsmitglied im Bund der Kommunisten.

Nach der franz. Februarrevolution wurde er aus Belgien nach Frankreich abgeschoben. Von dort kehrte er nach Schlesien zurück und unterstützte die Wahl radikaler Kandidaten für das Frankfurter Parlament. Als Redakteur der Neuen Rheinischen Zeitung (NRhZ) betreute er u.a. die Rubrik "Aus dem Reich" - Nachrichten aus den deutschen Kleinstaaten. Während des Belagerungszustandes in Köln vom 25. September bis 4. Oktober 1848 wurde Wolff steckbrieflich wegen „Komplott“ gesucht und flüchtete erst nach Bad Dürkheim in der Pfalz. Er lebte dann einige Monate in Köln im Untergrund bis der Prozeß gegen ihn eingestellt wurde.

Nach dem Ende der NRhZ übernahm er als Stellvertreter das Breslauer Mandat in der Frankfurter Nationalversammlung und dem Rumpfparlament in Stuttgart. Als dieses am 18. Juni 1849 aufgelöst wurde, ging er über Baden ins schweizer Exil und später nach England. Dort lebte er ab 1851 bis zu seinem Tod in bescheidenen Verhältnissen als Privatlehrer in London und Manchester, wo er in engem Kontakt mit Friedrich Engels blieb.
Sein Artikel „Das Elend und der Aufruhr in Schlesien“ (1847) diente Gerhart Hauptmann als Vorlage für sein Drama „Die Weber“. Karl Marx widmete ihm 1867 den ersten Teil seines Hauptwerkes „Das Kapital“.

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