So
19
Feb
2012
Die Bildung der Journalisten
Und wieder zeigt sich, das Bildung nicht zu den Stärken des heutigen Journalisten gehört. Volker Albers vom Hamburger Abendblatt versteht in seinem Beitrag „Georg Büchner war seiner Zeit weit voraus“ (http://www.abendblatt.de/kultur-live/article2191268/Georg-Buechner-war-seiner-Zeit-weit-voraus.html) nicht, warum Burschenschafter 1875 am Grab Georg Büchners (1813-1837) zusammenkamen und seinen Sarg auf den Germaniahügel in Oberstrass am Zürichberghang umbetten ließen. Dies paßt nicht in sein Weltbild. Denn wie kann es sein, daß dieser „Ort deutschtümelnder Denkungsart für einen sozialrevolutionären Dichter“ gewählt wurde? „Die wackeren Studenten müssen etwas gründlich missverstanden haben“, gibt Albers zu verstehen.
Leider versteht er selbst die deutsche Geschichte nicht. Dabei reicht eine einfache Internetrecherche aus, um festzustellen, das Georg Büchners Freunde und Wegbegleiter Burschenschafter waren. Unter ihnen Karl Minnigerode (Alte Germania Gießen 1832, Palatia Gießen 1833) (http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Minnigerode) und Jacob Friedrich Schütz (Alte Germania Gießen 1832) (http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Jacob_Schütz).
Die Burschenschaft war und ist bis heute eine freiheitsliebende Bewegung, mit der weitgehend linksliberale Journalisten nichts anfangen können.
Hier nur einige Informationen. Die Formulierungen der Grundsätze und Beschlüsse des Wartburgfestes vom 18. Oktober 1818 sind teilweise wortgetreu in die Paulskirchenverfassung von 1849 und über
diese in die Weimarer Reichsverfassung von 1919 und das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland von 1949 eingeflossen. Burschenschafter nahmen in großer Zahl und zum Teil in führender Stellung
an den politischen Volksfesten teil, insbesondere am Hambacher Fest von 1832. Sie trugen die Botschaften des Hambacher Festes in den gesamten deutschen Liberalismus. Die burschenschaftlichen
Farben „Schwarz-Rot-Gold“ wurden 1919 zu den Nationalfarben erklärt. Bis heute hält die Deutsche Burschenschaft an den am Wartburgfest formulierten Grundsätzen als fester Bestandteil ihres
Selbstverständnisses fest, indem sie aktiv für die Einheit und Freiheit unseres Staates auf der Basis einer demokratischen Grundordnung in einem einigen Europa der Vaterländer eintritt.
Gleichzeitig war die Burschenschaft Wegbereiter der Märzrevolution von 1848.
Eine weitere kleine Nachhilfe zu den Freunden Büchners:
Der freiheitsliebende Minnigerode (1814-1894) nahm in Gießen „mit Enthusiasmus (…) den Durchzug der polnischen Freiheitskämpfer wahr; 1833 Sympathisant des Frankfurter Wachensturms. Er schloß sich dem revolutionären Kreis um Friedrich Ludwig Weidig (1791-1837, Corps Frankonia Gießen) und Büchner an (…) und beteiligte sich an den Vorbereitungen von Büchners „Hessischem Landboten“, (…) fünf Jahre in Ketten, in Gießen, Friedberg und Darmstadt.“ Durch die drakonischen Haftbedingungen erlitt er einen „völligen körperlichen und geistigen Zusammenbruch und verfiel sogar zeitweise in Geisteskrankheit.“ Später in den USA war er Professor für klassische Literatur. Im amerikanischen Sezessionskrieg galt er als „Rebellenpater“. Luise Büchner bezeichnet Minigerode in ihrer Schlüsselnovelle „Ein Dichter“ als engsten Freund ihres Bruders. (Zu Minnigerode: Dvorak, Helge: Biografisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I Politiker, Teilband 4: M-Q, Heidelberg 2000, S. 112-113.)
Schütz (1813-1877) nahm 1833 am Frankfurter Wachensturm teil und war anschließend zusammen mit Georg Büchner und August Becker Mitgründer der Gesellschaft der Menschenrechte, die unter anderem an der Verteilung des Hessischen Landboten beteiligt war. Dafür wurde er 1834 wegen „revolutionärer Umtriebe, Verbreitung politischer Schriften und Teilnahme am Komplott zur Befreiung politischer Gefangener“ verhaftet. Er flüchtete daraufhin in die Schweiz und nach Brüssel; 1848 Rückkehr nach Mainz. „Mitglied und Lehrer des Arbeiterbildungsvereins sowie 1848-1849 Präsident des Demokratischen Vereins, 1848 Teilnahme am Frankfurter Aufstand, 1849 Wahl in die Frankfurter Nationalversammlung. Danach Flucht nach Brüssel und Teilnahme am Pariser aufstand. Ab 1855 USA; dort trat er für die Abschaffung der Sklaverei ein. (Zu Schütz: Dvorak, Helge: Biografisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I Politiker, Teilband 4: R-S, Heidelberg 2002, S. 346-347.) Volker Albers, der sich normalerweise auf dem Parkett seichter Krimis bewegt (http://www.krimi-forum.net/Datenbank/Autor/fa001313.html), und sich nun an geschichtlichen Themen heranwagt, kann aber geholfen werden, damit ihm künftig solch ein Faupax unterbleibt.
Zum Einstieg sei ihm das Thema „Frankfurter Wachensturm“ ans Herz gelegt. Hier findet er eine kurze Zusammenfassung sowie Literatur .http://www.burschenschaft.de/die-burschenschaft/der-frankfurter-wachensturm-1833.html
Zum Thema „Die Burschenschaften als Wegbereiter der Revolution von 1848” findet sich auch etwas: (http://www.burschenschaft.de/geschichte/geschichte-der-db/stationen-der-burschenschaftlichen-geschichte/die-burschenschaften-als-wegbereiter-der-revolution-von-1848.html)
Quelle: DieBurschenschaften.de