Mi

28

Dez

2011

Warum die ideologische Besessenheit der Linken peinlich ist.

Und warum wir Burschenschafter sexy sind.

 

„Je heiliger sich die Menschen geben, desto scheinheiliger sind sie.“
Dr. Jürgen Stepien, Psychotherapeut

 

Schwule Prediger und rechte Sozis. Ein Stricher beschuldigt einen Mann, ihn über Jahre für Sex bezahlt zu haben, außerdem hätten er und sein Freier Drogen konsumiert. In der heutigen Zeit nichts besonderes, könnte man meinen. Bei beschuldigtem Mann handelt es sich allerdings um Ted Haggard, einer der einflussreichsten evangelikalen Christen der USA. In seinen Predigten lobt er den Wert der Familie und wettert gegen Homosexualität. Steuerbetrüger wie Klaus Zumwinkel tragen das Bundesverdienstkreuz, die Parteimitglieder der Grünen fahren im Vergleich zum Durchschnitt die Autos mit dem höchsten Spritverbrauch und machen außerdem die meisten Flugreisen nach Übersee. Oskar Lafontaine, der Retter der Armen und Robin Hood im Kampf gegen die Gier von Unternehmern und Aktionären, lebt in einer protzigen Villa. Eliot – nomen est omen – Spitzer, ehemaliger Gouverneur des US-Bundesstaates New York und Kämpfer gegen Prostitution und Menschenhandel, wird mit einem Callgirl erwischt. In welcher Art und Weise die katholische Kirche über Jahrhunderte ihre Werte dem Volk predigte und dann im einzelnen vermittelte, braucht man wohl nicht mehr näher auszuführen.

Österreich gilt zwar seit jeher als die Insel der Seligen, aber auf dem Gebiet der Scheinheiligkeit, braucht die Alpenrepublik nicht einmal den Vergleich mit skurrilen Regimen der Gegenwart zu scheuen. Vielleicht liegt ja gerade darin die komische Affinität österreichischer Politiker zu lächerlichen Despoten, wie Muammar al-Gaddafi oder Kim Jong-il. Gott hab‘ sie selig. Die Geburtsstunde des österreichischen Selbstverständnisses beginnt mit einer Lüge. Nämlich der, dass das arme protofaschistische, also eigentlich gar nicht so faschistische Österreich im März 1938 vom Deutschen Reich in einer Nacht- und Nebelaktion unterjocht wurde. Der Widerstand war groß. Der Widerstand dauerte letztlich noch bis in die 60er-Jahre, als der sozialistische Bundeskanzler Kreisky die letzten Nazis von der Straße in sein Kabinett holte. In diesem Kontext, dem langen Canon der österreichischen Pseudomoral, ist es daher nur eine logische Konsequenz, dass gerade hiesige Sozialdemokraten gerne zu faschistoiden Gesten und Parolen neigen.

 

In unregelmäßigen Abständen machen politisch Linksgepolte von sich reden, weil sie dem Hitler-Gruß frönen. Wie passt das zusammen? Wie kommt man als Antifaschist dazu, Riten und Gesten eines Regimes, das amtlich erwiesen 6 Millionen Juden ermordete, nachzuahmen? Die merkwürdige Antwort auf die Frage lautet: man müsse den Rechtsextremen einen Spiegel vorhalten. Einen solch faschistisch-antifaschistischen Spiegel hatte zuletzt das ehemalige SPÖ-Mitglied und nunmehriger EU-Querulant Hans-Peter Martin dabei (Kurier, 20.04.2010). Er stellte sich vor seinen FPÖ-Parlamentskollegen Andreas Mölzer, schlug die Hacken zusammen und hob den rechten Arm zum „deutschen Gruß“.

 

Apropos Deutsch: Wie geht es Hans-Peter Martin eigentlich in seinem, aus Steuergeldern finanzierten, Alterssitz im deutschen Tübingen?


Zurück zu den Spezialdemokraten mit Wiener Hauptwohnsitz. Zu einer weiteren antifaschistischen Großtat ließ sich auch SPÖ-Humanist und Bundespräsident Heinz Fischer in den 1980er Jahren im Nationalrat hinreißen. Am 15.12.1989 rief er dem FPÖ-Abgeordneten Siegfried Dillersberger ein antifaschistisches „Sieg Heil!“ entgegen (Stenographisches Protokoll der 17. GP, 128. Sitzung, S. 15133 bzw. S. 98). 2002 meinte er dazu noch, dass es sich um einen „Hörfehler der Stenografen“ handeln könnte. Acht Jahre später, war es aber dann doch „Kritik am Stil der FPÖ“. Ja, es war damals wahrlich stillos im Parlament die Parteienfinanzierung in Frage zu stellen. Schwamm drüber. Seine Ehefrau Margot scheint das offensichtlich nicht zu stören und geht mit ihrem lieben Heinz vergnügt zum Opern-Ball. Freilich nur um diesmal den Kapitalisten den Spiegel vorzuhalten.

 

„Sieg Heil? Ich? Ein Hörfehler der Stenografen!“ 
Dr. Heinz Fischer, Bundespräsident

 

Andere SPÖ-Granden stehen ebenfalls auf NS-Parolen, wenn es darum geht dem politischen Gegner einzuheizen. In diesem Sinne schreit der SPÖ-Politiker Rudolf Edlinger der FPÖ-Abgeordneten Helene Partik-Pablé im Nationalrat am 17.04.2002 ein rustikales „Sieg Heil!“ entgegen (Stenographisches Protokoll der 21. GP, 100. Sitzung, S. 50). Ein solcher Stil war sogar für das orthodox-antifaschistische Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) kein Problem. Zu dessen Präsident wurde Edlinger nämlich im April 2003 gewählt. Entschuldigt hat er sich – wie immer – mit dem provokanten Verhalten der FPÖ und damit, dass ein „alter Politiker, der seit seiner Jugend antifaschistisch engagiert ist, Gefühle und Emotionen haben darf“. Emotionen hatte auch ein einfacher Wiener Straßenbahnfahrer. Doch ein unüberlegter „Sieg Heil“-Ruf kostete ihn trotz mehrfacher Entschuldigung im Oktober 2008 den Job und damit die berufliche Existenz. Vielleicht hätte auch er sich besser auf die FPÖ ausreden sollen. Sind das alles nur Ausnahmen, die ein schlechtes Licht auf diejenigen werfen, die voll guten Willens und Menschenfreundlichkeit sind? Nein, denn diese Inkonsistenz hat System. Zahlreiche Studien belegen, dass Menschen, die sich als moralisch besonders integer darstellen, eher dazu neigen, gegen genau diese Normen zu verstoßen.

 

Moralische Entrüstung gegen die guten Sitten. In ähnlich verworrener Art und Weise treibt auch Ariel Muzicant sein Spiel. In der medientauglichen Öffentlichkeit mimt der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde gekonnt die moralische Instanz. Mit Bravur platziert er seine emotionsgeladene Botschaft und setzt dabei die Miene des geprügelten Hundes auf. Doch hinter dieser Fassade des traurigen Bajazzos verbirgt sich das Temperament und Charisma eines ungebremsten Egomanen. So ist es auch zu erklären, dass er als großbürgerlicher Gutmensch, Logenbruder und Immobilien-Tycoon die Nähe zu linksextremen Gruppierungen und der Hausbesetzer-Szene sucht, nur um seine politischen Interessen durchsetzen zu können. Im konkreten Fall geht es um Muzicants, nicht ganz nachvollziehbaren, Kampf gegen die Burschenschaften und ihr glamouröses Aushängeschild: den Wiener Korporationsball.

 

Seit 1968 fand stets am letzten Freitag im Jänner der Wiener Korporationsball, eine Veranstaltung des Wiener Korporations-Ringes (WKR), dem auch die Bruna Sudetia angehört, in der Hofburg statt. So wird auch im kommenden Jahr dieses Ballereignis stattfinden - diesmal am 27. Jänner. Es wird der letzte Korporationsball in der Hofburg sein. Die Wiener Hofburg Kongresszentrum BetriebsgmbH hat beschlossen, dem WKR ab 2013 keine Räumlichkeiten mehr zur Verfügung zu stellen. Begründet wird dies mit der „aktuellen politischen und medialen Dimension, welche die Abhaltung des WKR-Balles in den letzten Jahren angenommen hat“. Tatsächlich sind die Gesellschafter, darunter die Casinos Austria, das Verkehrsbüro und die Hotels Sacher und Intercontinental, vor dem linken Mob, vertreten u.a. durch „SOS Mitmensch“, in die Knie gegangen.

 

„Moral ist eine Waffe, die immer dann gezogen wird, wenn wir nicht das tun, was andere wollen.“
Rebecca Niazi-Shahabi

 

Wer wird denn schon vor einer linksextremen Obskurantengruppe in die Knie gehen? Nun, um den Bogen wieder zum Thema zu spannen, lässt sich das ganz einfach erklären. Auch die Organisation SOS Mitmensch, auch wenn ihr Name noch so gütig klingen mag, handelt, getrieben durch ihre linke ideologische Besessenheit, in scheinmoralischer Art und Weise. Und das nicht zu knapp, wie man hört. So ging man nach Jahren des erfolglosen Protests gegen den WKR-Ball dazu über, die Geschäftsführer der Hofburg-Gesellschaften direkt anzugreifen. Man drohte gezielt einzelnen Personen und deren Familien mit Rufmord und den Unternehmen mit gezogener Moralkeule. Auch vor tätlichen Übergriffen wollte man nicht zurück schrecken. Freilich alles zum Wohl der Mitmenschen.

 

„Moralische Entrüstung besteht in den meisten Fällen zu 2 Prozent aus Moral, 48 Prozent aus Hemmung und 50 Prozent Neid.“
unbekannt, aber gut

 

Auch für 2012 hofft man seitens der Betriebsgesellschaft noch auf eine Absage des Balls, damit ist aber wohl nicht zu rechnen. Schützenhilfe erhalten die Ballgegner nun von der Israelitischen Kultusgemeinde in Gestalt des sattsam bekannten Ariel Muzicant, dessen Sohn Georg interessanter Weise ebenfalls einer Studentenverbindung angehört. Der 27. Jänner sei nämlich der „Holocaust-Gedenktag“, tanzende Burschenschafter dürfen da laut Muzicant nicht sein: “Feiern die sozusagen die zwei Millionen Toten von Auschwitz, oder was? Tanzen sie sozusagen auf sechs Millionen toten Juden, oder was denken sich die dabei?“. Was „die sich dabei denken“ mitten in der Ballsaison einfach einen Ball zu veranstalten? Darauf kommt es Muzicant nicht an. Ebenso wenig wie ihn die Tatsache stört, dass dieser Ball schon seit Jahrzehnten zu diesem Termin, nämlich dem letzten Freitag im Jänner, stattfindet. Diesmal ist das eben der 27. Jänner, das war aber auch 1979, 1984, 1989, 1995 und 2006 so, auch da hat der Ball stattgefunden. Da Ariel Muzicant, wie bereits beschrieben, einen, für viele nicht ganz nachvollziehbaren Kampf gegen die Burschenschaften führt, ist es aus oben genannten Gründen auch wenig verwunderlich, dass er selbst als Jude nicht davor zurück schreckt, auf dem Rücken der Opfer des Nationalsozialismus politisches Kleingeld zu waschen und die Leidtragenden für sein perfides Spiel zu missbrauchen. Es wird ihm hiermit die Missbilligung ausgesprochen.

 

Und warum gelten die Burschenschaften nun als sexy? Weil sie seit über 196 Jahren am politischen Geschehen Erste Reihe fußfrei teilhaben, aber noch immer so lebendig, jugendlich und eloquent dastehen, wie einst zu Metternichs Zeiten. Das Geheimnis der Burschenschaften besteht nämlich darin, Engagement ausschließlich für positiv besetze Ideale einzusetzen. Sie erneuert sich stets durch den stetigen Zuspruch innerhalb der Studentenschaft. Sie bleibt immer auf der Höhe ihrer Zeit, stellt sich zukunftsfähig der Gegenwart und hält trotzdem Jahrhunderte alte studentische Traditionen in Ehren. Regierungen und Regime, gute wie böse Menschen - sie werden alle kommen und gehen. Doch die Burschenschaft wird dann immer noch entspannt an der Tafel der Zeit sitzen und dem Geschwätz flüchtiger Zeitgenossen lauschen.

 

Quelle: DieBurschenschaften.de